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Anwenderbericht - Siemens A&D in Moorenbrunn

Kabel- und Facility-Management unter einem Hut

Als Siemens 1996 beschloss, das Kabeldokumentationssystem Navis stillzulegen, machte sich der Bereich Standortverwaltung (SVD) des Siemens-Standortes Moorenbrunn bei Nürnberg auf die Suche nach einem System, das die Fähigkeiten eines klassischen CAFM-Systems mit denen eines Kabelmanagementsystems kombinieren sollte. Seit 1997 läuft nun zur Zufriedenheit aller Beteiligten die Software FM.7/VM.7 von AT+C.

Siemens Moorenbrunn

(Abb.: Der Siemens-Standort in Moorenbrunn bei Nürnberg, Hauptsitz von Siemens A & D und Siemens P & L, umfasst auf einer Grundfläche von 200.000 m² eine Bruttogebäudefläche von 70.000 m².)

Der Siemens-Standort Moorenbrunn bei Nürnberg existiert seit 1986. Auf einer Grundstücksfläche von 200.000 m² befinden sich hier Gebäudekomplexe mit einer Bruttogeschossfläche von 70.000 m². Die vermietbare Bürofläche beläuft sich auf 37.500 m². Moorenbrunn ist der Hauptsitz des Siemens-Bereiches Automation & Drives (A & D). Die Verwaltung, Entwicklung und Projektierung ist hier untergebracht. Siemens A & D nimmt mit 8 Prozent Marktanteil weltweit eine führende Rolle in der Automatisierungs-, Antriebs-, Schalt- und Installationstechnik ein. Insgesamt 53.500 Mitarbeiter erwirtschafteten 1999 einen Umsatz von 13,7 Mrd. Mark. Die Siemens Produktion & Logistik (P & L) hat in Moorenbrunn ebenfalls ihr Stammhaus. Die beiden Bereiche stellen rund 2.000 der insgesamt 2.500 Mitarbeiter des Standortes. Den Rest stellen andere Siemens-Bereiche wie Siemens Anlagenbau und Technische Dienstleistungen (ATD) und Siemens Gebäudemanagement und Services (SGM). Die Verwaltung des Standortes liegt nicht in den Händen der SGM, sondern in denen der A & D-eigenen Abteilung Standortverwaltung und -Dienste (SVD). Diese ist in die Bereiche Bau, Elektrotechnik, Heizung/Lüftung/Klima, Sicherheitstechnik, Facility Services, Facility Management und Kommunikationsnetze unterteilt.

Die Abteilung Facility Services ist zuständig für die Umzugsplanung und -durchführung, der Abteilung Facility-Management obliegt das Flächenmanagement. Für die Telekommunikations- und IT-Netze ist die Abteilung Kommunikationsnetze zuständig.

Bis Mitte der 90er verwendete die Abteilung Kommunikationsnetze für das Kabelmanagement das Kabeldokumentationssystem Navis. Ebenfalls hatte SVD zu diesem Zeitpunkt ein CAD-System von H.A.N. Dataport zur Gebäudedokumentation im Einsatz. 1996 traf die Siemens Business Services (SBS), die die gesamte Kommunikationstechnik innerhalb von Siemens übernommen hatte, die Entscheidung Navis stillzulegen. Dies machte die Suche eines Nachfolgesystems erforderlich. "Wir wollten künftig die Kabelwege nicht nur numerisch dokumentieren, sondern auch grafisch darstellen können", beschreibt Albin Truckenbrodt, Bereichsleiter Kommunikationsnetze der SVD in Moorenbrunn, eine der Anforderungen an das neue System. "Von H.A.N. Dataport erhielten sie damals die Auskunft, dass dies mit ihrem System noch nicht möglich sei. Wir machten uns daraufhin auf die Suche nach einem CAD-System, das sowohl Flächen, Mobiliar sowie weitere Gebäudedaten, aber auch Kabelleitungen dokumentieren konnte. Auf der Messe Exponet kam 1997 der Kontakt zu Heinz-Georg Kuhlemann von Siemens Anlagenbau und Technische Dienstleistungen/Information Technology Plant Solutions (ATD IT PS) zustande, der uns das System von AT+C präsentierte". Truckenbrodt und Guido Neumann, der bei der ATD IT PS Essen für die technische Dienstleistung zum AT+C System zuständig ist, entwickelten daraufhin ein Konzept für die technische Umsetzung und legten den Kostenrahmen fest.

Im Februar 1997 fiel die endgültige Entscheidung für die ATD IT PS Dienstleistung in Verbindung mit der Software von der AT+C GmbH, Oberursel. Die Umsetzung der ersten Phase wurde im Mai 1997 abgeschlossen. Die Investitionssumme für den ersten Schritt, der die Anschaffung der Software inklusive sieben Lizenzen (heute sind es neun) und die Übernahme der Daten aus Navis sowie die Einpflege weiterer Grunddaten enthielt, belief sich auf 300.000 Mark. Für den zweiten Schritt, der die Einpflege des Mobiliars und der Elektropläne mit sich brachte, waren noch einmal rund 300.000 Mark erforderlich. "Wenn man bedenkt, dass wir davor für die Überarbeitung von Plänen durch Zeichenbüros jährlich rund 250.000 Mark ausgaben, rechnen sich diese Kosten in absehbarer Zeit", erläutert Truckenbrodt die Wirtschaftlichkeit.

Die Entscheidung für das AT+C System, das in der Grafik auf das CAD-System CADVANCE des amerikanischen Herstellers FIT zurückgreift, fiel aufgrund dessen Leistungsstärke in der Kabeldokumentation. "Das System verfügt über Features, die uns zu diesem Zeitpunkt kein anderes Programm bieten konnte", erklärt Truckenbrodt. "Entscheidend war die Darstellungstiefe. So können wir beispielsweise mit dem System die technischen Besonderheiten einer Lichtwellenleiter-Ringschaltung dokumentieren". "Für viele CAD-Systeme ist Kabel nur ein Strich, dessen Länge berechnet werden kann", ergänzt Neumann. "Entscheidend für den Nutzen der Software ist es jedoch, neben der Physik auch die Logik zu dokumentieren, das heisst angeben zu können, um welche Art Kabel es sich handelt, welche Signale darauf laufen und auf welchen Geräte-PINs es aufgelegt ist". Einen weiteren Vorteil des Systems sieht Neumann in dessen Unabhängigkeit von einer bestimmten Technologie: "Das System erlaubt es, nicht nur Kabelwege zu dokumentieren, auf dieselbe Weise können beispielsweise auch Wasserleitungen verwaltet werden. Der Nutzer kann die Eigenschaften der Objekte frei definieren".

So wie das System jetzt installiert ist, gibt Truckenbrodt zu bedenken, wurde es von AT+C ursprünglich nicht geliefert. "Wir wollten einige Besonderheiten, die uns AT+C programmiert hat. Dies erfolgte kostenlos, da AT+C die Zweckmäßigkeit dieser Spezifikationen erkannte und sie als Standard in die nächste Version übernahm. "So wächst das System mit jedem neuen Kunden", freut sich Neumann.

Insgesamt werden mit dem System in Moorenbrunn rund 200 Kilometer ICCS*-Verkabelung verwaltet. Dieses von Siemens entwickelte Kabelsystem verbindet sternförmig jeden Arbeitsplatz mit einem zentralen Verteiler und integriert sowohl das EDV- als auch das Telefonnetz. Etwa 3.500 Telefone und etwa 4.000 PCs sowie 9.000 Kommunikationsenddosen sind angeschlossen. Die Gebäudeautomation, die über ein Siemens-L2-Bussystem realisiert ist, nutzt als Übertragungsmedium ebenfalls dieses IT-Netz. Zu der ICCS-Verkabelung kommt ein ebenfalls sternförmig aufgebautes, fünf Kilometer langes Glasfasernetz, das die einzelnen Gebäude auf dem Gelände mit dem Rechenzentrum, das in Gebäude 8 untergebracht ist, verbindet. Verlegt wurden die Kabel von Siemens ATD TS1 in Nürnberg.

Aus dem Bereich der Sicherheitsmeldetechnik (SMT) sind im System die Lage aller Feuerlöscher, Rettungswege, Brandmeldeeinrichtungen und Signalgeber erfasst.

Die grafische Darstellung der Kabelwege im AT+C-System erfolgt zweidimensional. "Höhenunterschiede in der Trassenführung werden jedoch dokumentiert. So können die effektiven Kabellängen leicht berechnet werden", erläutert Truckenbrodt.

Doch die Software wird nicht nur für das Kabelmanagement eingesetzt. "Ein wesentlicher Vorteil des Systems liegt darin, dass es Kabelmanagement und Facility Management verbindet", begründet Neumann die bereits von ATD 1995 getroffene Entscheidung, mit der AT+C-Software zu arbeiten. So wird das Programm auch für die Umzugsplanung und -durchführung genutzt. "Bei rund 1.600 Personenversetzungen im Jahr sind eine effektive Planung und eine saubere Dokumentation für den reibungslosen Ablauf unbedingt notwendig", ergänzt Truckenbrodt. "Ich muss dokumentieren, von welchem Ort ein PC zu entfernen ist und wo er wieder aufgebaut werden soll. Zusätzlich müssen natürlich die Rufnummern der Telefonanlage umgeschaltet werden. Um dies zu tun, benötigen die Service-Verantwortlichen exakte Arbeitsbeschreibungen, die wir direkt aus dem System generieren". Die Abteilung Facility-Services, die für den Möbeltransport zuständig ist, arbeitet ebenfalls mit dem System.

Auch die kaufmännische Abteilung greift auf die für sie wichtigen CAFM-Daten zu. Die Anbindung des Systems an SAP erleichtert die Weiterverarbeitung auf der betriebswirtschaftlichen Seite. Eine Reihe weiterer typischer CAFM-Features wie Flächen- und Schlüsselmanagement runden das Leistungsspektrum der Software ab. Obwohl die Abteilung Standortverwaltung und -Dienste von Siemens A & D in Moorenbrunn ihr kombiniertes FM- und Kabelmanagementsystem bereits für eine Vielzahl von Aufgaben nutzt, sind die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft, sodass der EDV-Landschaft die Zukunft einer ewigen Baustelle beschieden sein wird. In einem nächsten Schritt sollen die kompletten Stromlaufpläne der elektrischen Einrichtungen aufgenommen werden. Was dann kommt, wird sich zeigen.

*Das von Siemens entwickelte ICCS-Verkabelungssystem basiert auf speziell isoliertem UTP-Kabel (ICCS-Kabel) - symmetrisches, nichtgeschirmtes Kabel mit paarweise verdrillten Drähten - und auf Lichtwellenleitern. Es unterstützt nach Angaben des Herstellers ISDN, Token Ring, Ethernet, FDDI sowie Verbindungen der älteren Transdata-Welt.

ICCS-Verkabelung

(Abb.: 200 Kilometer ICCS-Verkabelung dienen als Übertragungsmedium sowohl für das Telefon- und EDV-Netz als auch für die Gebäudeautomation)

Dieser Bericht ist in der Zeitschrift "Der Facility-Manager" Dezember 2000 erschienen (Autor Martin Gräber).

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