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Anwenderbericht - Siemens ATD Essen

Durchblick im Kabelchaos

Als sich die Essener Siemens ATD auf die Suche nach einer neuen Software für das Facility Management machte, legte sie einen Schwerpunkt auf das Management von Kabeln, Netzwerken und Verbindungen. Die Entscheidung fiel auf die Lösung VM.7 von AT+C, die inzwischen von den Essenern auch vertrieben wird.

Eines liegt beim Facility Management meistens brach, egal, ob es um Kommunen oder Gebäude geht, nämlich das Kabel, sagt Heinz-Georg Kuhlemann, Fachberater bei Siemens Anlagenbau und Technische Dienstleistungen (ATD). Zu Unrecht, meint der Geschäftsführer des Softwarehauses AT+C, Wolfgang Schröder: "Das Kabel ist schließlich die Nervenbahn für alle Informationen". Siemens ATD plant, baut betreibt und dokumentiert unter anderem Schwachstrom-Anlagen für interne und externe Kunden. Im Einzelnen sind dies Informationstechnologien wie die Sprach- und Datenkommunikation in lokalen und Wide-Area-Netzwerken.

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(Abb.: Wer weiß, welche Strippe zu welchem Endgerät führt, kann Störungen schneller beheben. Eine saubere Dokumentation im CAFM-System spart Geld und sorgt für mehr Flexibilität zum Beispiel bei Umzügen von Mitarbeitern / Foto: Siemens ATD)

Doch das ist längst nicht alles, was ein modernes Gebäude an Kabelstrecken braucht: Sicherheitsmeldetechnik (SMT) wie Brand- und Einbruchmelder, Elektroakustik (Lautsprecheranlagen), Industriefernsehen (Videoüberwachung und -information). Gebäudeleittechnik (GLT), Türöffner, Zutrittskontrolle, nennt Kuhlemann - "Da kommt schon einiges zusammen". AT+C-Chef Schröder weiß gar von Gebäuden, die so lange nur eingeschränkt nutzbar waren, "bis das darin enthaltene Bergwerk an Kupferleitungen abgebaut war".

Im allgemeinen Kabel-Wirrwarr den Durchblick zu behalten, ist ohne Computerunterstützung schwer möglich, wissen die Essener. Mit Kunden zusammen haben sie daher verschiedene Software-Werkzeuge untersucht und sich schließlich für die AT+C-Lösung entschieden, "weil sie im Rahmen einer CAFM-Software am weitesten bei der Dokumentation von Verbindungen war", begründet Kuhlemann. Die Funktionalität von VM.7 erstreckt sich auch auf Rohre, etwa für Wasser, Abwasser, Sauerstoff, Heizung, Klima, Lüftung, Gas - kurz auf das "Management von Verbindungen insgesamt", erläutert Schröder.

Wann werden überhaupt Informationen zu den im Gebäude existierenden Verbindungen benötigt? Besonders bei Betriebsstörungen, aber auch bei Umbauten. "Wenn der Maurer eine Wand abschlägt und dabei Telefonleitungen oder im Krankenhaus die Sauerstoffversorgung für den OP kappt", skizzieren die Experten den Worst Case. Mit VM.7 lassen sich die Sprünge zwischen den Übertragungsmedien - seien es Lichtwellenleiter, Glasfaser- oder Kupferkabel - darstellen. Dies erleichtert die Lokalisierung einer Störung erheblich.

Vor allem aber geht es darum, Kosten zu senken und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. Die Verkabelungskosten liegen nach Einschätzung Schröders bei circa vier bis sechs Prozent der gesamten Gebäudekosten, "steigen aber im Laufe des Lebenszyklus eines Gebäudes extrem an", erläutert Guido Neumann, ebenfalls Fachberater bei Siemens ATD. Der Grund hierfür: Bei nachträglichen Verkabelungsarbeiten werden aus Sicherheitsgründen selten die alten Leitungen entfernt. Stattdessen sei es üblich, neue Kanäle in Zwischendecken einzuziehen, was mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden ist. Ist eine saubere Dokumentation vorhanden, so kann man es durchaus wagen, Überflüssiges zu entfernen, meint Neumann. Das Wissen über die Verkabelung ist in den Unternehmen heute meist an Personen gebunden, und selten systematisch dokumentiert, weiß Kuhlemann. Das funktioniert zwar in der Praxis, ist aber nicht unproblematisch: "Viele Telefontechniker sind heute im Alter zwischen fünfzig und sechzig, was passiert, wenn die ausfallen"? Wo befindet sich der betroffene Arbeitsplatz, wo das Telefon und unter welcher Bodenplatte die passende Dose? Solche Informationen benötigen die Kommunikationsspezialisten bei Störungen oder Umzügen. Mit VM.7 erhalten sie sie per Knopfdruck. Zum jeweiligen Arbeitsauftrag werden Grundriss- und Klemmen- (Signalfluss-) pläne ausgedruckt. Ziel ist eine einheitliche Dokumentation für das technische Gebäudemanagement, die von allen Abteilungen genutzt werden kann. Wichtig ist dabei, dass das System zentral gepflegt wird und die früher üblichen Karteikästen der unterschiedlichen Handwerker ersetzt.

Die Verbindungsdokumentation in Gebäuden wächst im Lauf der Zeit, aufbauend auf den Grundrissplänen, ergänzt durch die Informationen der unterschiedlichen Abteilungen. Hier liegt nach Einschätzung Schröders ein riesiges Kosteneinsparpotenzial. Siemens ATD übergibt neue Anlagen mit der fertigen Dokumentation an seine Kunden, und pflegt diese auf Wunsch auch weiter. VM.7 ist seit etwa 1995 bei den Essenern im Einsatz, die sowohl User, als auch als Dienstleister und Systemintegrator bei Kunden damit arbeiten. Auf Kundenwunsch setze man zwar auch andere Tools ein, aber "die können alle das Kabel nicht", meint Kuhlemann. Im VM.7 dagegen sei "das umfangreiche Wissen über die Gemeinheiten von Kabelkanälen und Kabeln eingeflossen", und es ermöglicht eine sehr große Dokumentationstiefe. Das Tool ist universell einsetzbar für Gebäude, den Campus, Stadtteile oder noch größere Gebiete, sagt Schröder.

Innerhalb des Siemens-Konzerns wird neben dem Windows-NT-System VM.7 noch ein weiteres Unix-basierendes System für das Kabelmanagement eingesetzt. VM.7 kommt an den Standorten Essen, München, Bruchsal und Berlin zum Einsatz. Auch der Standort Nürnberg-Moorenbrunn mit neun Gebäuden hat die Lösung neuerdings im Betrieb. Dort hatte man früher ein CAFM-System im Einsatz, das nicht Jahr-2000-fähig war. Ziel war es, innerhalb von drei Monaten die gesamte Kommunikationstechnik mit der AT+C-Software zu dokumentieren. Nach der IT-Technik folgte das Flächenmanagement, und mittlerweile arbeiten auch die anderen Gewerke - von der Kälte-, Klima-, über die Elektro- und Sicherheits- bis zur Sanitär- und Heizungstechnik damit. "Das nächste wird die Schlüsselverwaltung sein", sagt Neumann.

Das Kabel wird im Zeitalter des sogenannten Wireless Computing nicht an Bedeutung verlieren, darüber sind sich die Siemens ATD-Consultants einig. Auch wenn sich in Zukunft Funk- oder Infrarotnetze als Übertragungstechnik durchsetzen: "Das Kabel bleibt Thema". Schließlich müssen auch Funkzellen überwacht und verdrahtet werden.

Dieser Bericht ist in der Zeitschrift "Gebäudemanagement" 11/2000 erschienen (Autor Birgitt Loderhose).

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