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Anwenderbericht - Mainova AG

Mit Netz und doppeltem Boden

Zwei Metallschränke und ein riesiges Knäuel von Kabeln bilden das Herz einer jeden Etage im Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Frankfurt. In diesen EDV-Zentralen laufen geschossweise alle PC-Leitungen zusammen und werden in das unternehmensweite Netzwerk eingebunden, das inzwischen 22 Liegenschaften innerhalb Frankfurts abdeckt. Die Verwaltung dieser riesigen Kabelmengen ist mit Stift und Papier nicht mehr machbar. Seit zwei Jahren setzen die EDV-Verantwortlichen bei den Frankfurter Stadtwerken deshalb auf die Verbindungs- und Facility-Management-Software der Firma AT+C.

Die Stadtwerke Frankfurt sind für den größten Teil der Energieversorgung der Mainmetropole zuständig. Das Unternehmen, das seit zwei Jahren als GmbH firmiert, sorgt also dafür, dass in Frankfurt die Bewohner weder frieren noch im Dunkeln sitzen, dass der öffentliche Nahverkehr rollt und das Wasser fließt. Über 5.000 Angestellte in über 30 Gebäuden bearbeiten die hierbei anfallenden Aufgaben - teilweise noch auf konventionelle Weise, in der Regel jedoch an PCs, die untereinander verbunden sind. Für die Betreuung des unternehmensweiten Rechnernetzes sind die vier Mitarbeiter des Sachgebietes Netzwerke innerhalb der EDV-Abteilung zuständig. Sie werden immer dann gerufen, wenn neue Anschlüsse und Verbindungen einzurichten sind und auftretende Fehler schnellstmöglich behoben werden müssen.

Mainova AG

(Abb.: Mainova AG, Solmsstraße, Frankfurt am Main)

Bis vor drei Jahren erfolgte die Verwaltung des umfangreichen Netzwerkes noch ohne ein adäquates Werkzeug. Dass dies auf Dauer allerdings nicht der richtige Weg sein konnte, war spätestens nach einem totalen Netzwerk-Zusammenbruch im Neubau des zentralen Verwaltungsgebäudes offensichtlich, der sich erst nach mehreren Tagen beheben ließ.

Die EDV-Betreuer hatten die allergrößten Schwierigkeiten, den Fehler zu finden, weil kein Netzwerkmanagement-System und keinerlei Dokumentation über die Verkabelung vorhanden waren und die Suche nach der defekten Leitung somit der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen glich.

Nach diesem Vorfall ließ sich die Geschäftsleitung davon überzeugen, dass eine effektive Netzwerkverwaltung nur mit Hilfe einer leistungsfähigen Management- und Dokumentationssoftware möglich ist. Im Zuge der vollflächigen Verkabelung zweier Liegenschaften sollte ein entsprechendes System eingeführt und dann nach und nach auf sämtliche Einrichtungen der Stadtwerke erweitert werden. Jedoch unter der Bedingung, dies ausschließlich mit vorhandenen Arbeitskräften zu bewältigen.

Den vier Mitarbeitern des Sachgebietes Netzwerktechnik fiel die Aufgabe zu, eine geeignete Lösung auszuwählen und einzuführen. Dazu der Diplom-Ingenieur Dieter Logisch, verantwortlicher Mitarbeiter der Gruppe: "Wir waren uns von Anfang an darüber im Klaren, dass sich ein Netzwerk nur dann effektiv verwalten lässt, wenn parallel zur Kabelmanagement-Software auch ein Flächenverwaltungsprogramm, also ein Facility-Management-System im eigentlichen Sinne, installiert wird. Wir interessierten uns deshalb für eine umfassende Software, die beide Anwendungsgebiete abdecken kann."

Die Suche nach einer entsprechenden Lösung übertrug das EDV-Team derjenigen Firma, die für die Verkabelung der beiden Gebäude zuständig war. Gleichzeitig mit der Ausschreibung des Netzwerkes sollte das Unternehmen eine Vorauswahl geeigneter Facility Management-Produkte zusammenstellen.

Neben einer Reihe Unix-basierender Lösungen wurde hier auch die Management-Software von AT+C aufgeführt, die bereits zum damaligen Zeitpunkt unter Windows und Novell lauffähig war. Damit konnte sie eine grafisch gestaltete Oberfläche vorweisen, war einfach zu handhaben und zudem weitaus kostengünstiger als jedes Workstation-System. Weiterhin ließ sich das Paket auch auf einem Laptop installieren und damit direkt in das Netz einbinden: "Der Netzwerkbetreuer kann das Laptop an den HUB im Netzwerk-Verteiler-Schrank anschließen und so den aktuellen Dokumentationszustand des Netzwerks überprüfen", erklärt Logisch "er muss also nicht mehr auf den ausgedruckten Vernetzungsplan zurückgreifen."

Weiterhin sprach für das Softwarehaus AT+C die räumliche Nähe zu Frankfurt: AT+C hat seinen Stammsitz in Oberursel im Taunus, wenige Kilometer von der Mainmetropole entfernt. Damit war von Anfang an eine enge Zusammenarbeit zwischen Anbieter und Anwender möglich, die über die Einführungsphase hinaus auch noch heute besteht. So haben die Mitarbeiter von AT+C nicht nur geholfen, Bestandsdaten zu erfassen und zu strukturieren, sondern auch Hilfestellung bei der Erarbeitung des Datenmodells geleistet. Darüber hinaus war das Softwarehaus bereit, sich bei der Weiterentwicklung der Kabelmanagement-Lösung auch nach den speziellen Bedürfnissen der Stadtwerke zu richten. Diese Leistungen gab es natürlich nicht unentgeltlich, so dass zusätzlich zu den reinen Softwarekosten für insgesamt zehn CAD-Installationen sowie vier Facility Management- und zwei Kabelmanagement-Arbeitsplätze im Laufe der letzten zwei Jahre noch einmal etwa die gleiche Summe für Dienstleistungen entrichtet werden musste.

Innerhalb der Stadtwerke Frankfurt wurden sämtliche relevante Abteilungen in das FM-Projekt miteinbezogen. Den EDV-Beauftragten blieb es jedoch vorbehalten, die Einführung der Verwaltungslösung zu koordinieren und die hiervon betroffenen Abteilungen zusammenzuführen. Darüber hinaus mussten sie dafür sorgen, dass organisatorische Veränderungen, die für eine effektive Nutzung der Software notwendig waren, tatsächlich realisiert wurden. Grundsätzlich musste die Akzeptanz für dieses Projekt bei allen Beteiligten erhöht werden und damit die Bereitschaft, Aufgaben abzugeben und andere zu übernehmen.

So arbeitete die Hochbauabteilung noch rein konventionell mit Transparentpapier und Zeichenbrett. Es bestand also die Notwendigkeit, hier ein CAD-System einzuführen, um Grundrissdaten in digitaler Form direkt an das Facility Management-System übergeben zu können. Dabei bot es sich an, auf die Lösung Cadvance zurückzugreifen, auf der sämtliche AT+C Programme basieren und die im Standardlieferumfang der FM-Software bereits enthalten ist. Dieses System konnte mit einem Preis von 6.000 Mark zwar nicht das gleiche Leistungsspektrum vorweisen, wie High-End-Lösungen für mehrere 10.000 Mark, es verfügt aber über alle Funktionen, die für eine rechnergestützte Planung von Bauvorhaben notwendig sind. Eigentlich hatten sich die Hochbauplaner zwar eine Software gewünscht, die neben 2D- und 3D-CAD-Funktionen auch Visualisierungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Sie merkten aber schnell, dass das Leistungsspektrum von Cadvance für den größten Teil der Anforderungen innerhalb der Stadtwerke völlig ausreichend war. Und auch heute, nach zweijähriger CAD-Praxis, sind die Architekten noch mit ihrer CAD-Lösung zufrieden.

Die Pläne der Hochbauabteilung bilden die Informationsbasis, auf der alle anderen Abteilungen ihre eigenen Maßnahmen eintragen. Da diese Pläne nun als CAD-Zeichnung geliefert wurden, mussten auch andere Bereiche fortan am CAD-System arbeiten; etwa die Haustechnikabteilung und die Organisation, die für Raumbelegung zuständig ist.

Baumaßnahmen der Frankfurter Stadtwerke werden darüber hinaus nicht nur von der hauseigenen Hochbauabteilung ausgeführt, sondern oft an externe Planer vergeben. Daher musste sichergestellt sein, dass auch diese Architekten Daten liefern, die direkt im FM-System verwendbar sind. Von ihnen wurde deshalb verlangt, Planungen künftig im CAD-System zu erstellen und die Daten in digitaler Form den Stadtwerken zu übergeben.

Mit Hilfe des FM-Herstellers AT+C wurde ein Ebenenmodell mit genauen Vorschriften zur Layer-Struktur der Gebäudedaten erstellt. An diese Vorgaben haben die externen Planer sich auch heute noch zu halten: "Der Fachplaner bekommt von uns eine Leerdiskette, auf der das Ebenenmodell enthalten ist, und muss seine Pläne in diese Struktur einfügen. Darüber hinaus muss er sich an unsere Vorschriften in puncto Linien, Linienbreiten und -farben halten." Werden diese Regeln eingehalten, lassen sich Pläne meist eins zu eins in das CAD- beziehungsweise FM-System übernehmen.

So kann der AT+C Facility-Manager beispielsweise AutoCAD-Daten direkt lesen und schreiben, darüber hinaus lassen sich DXF-Daten importieren und schließlich ist es auch möglich, allgemeine ASCII- oder sogar HPGL-Daten zu übertragen.

Mittlerweise funktioniert der Datenaustausch so reibungslos, dass sich die Mitarbeiter der Stadtwerke des gesamten CAD-Datenbestandes bedienen können, der in den verschiedenen Frankfurter Planungsinstanzen verfügbar ist. Selbst aus SICAD, einem großrechnerbasierenden GIS-System, das die Stadt für die Verwaltung seiner Geo-Daten einsetzt, können Informationen übernommen werden. So ist es nun möglich, einen Stadtplan im Maßstab 1:1.000 zu übernehmen und dort alle Liegenschaften der Stadtwerke einzutragen.

"Facility-Management ist eigentlich nichts anderes, als die Verknüpfung von Objekten, also grafischen Informationen, mit einer Datenbank", erklärt Logisch. "Ein Datenmodell definiert die Strukturen der Daten, also die Beziehung der Informationen untereinander. Da jedes Unternehmen über unterschiedliche Organisationsformen verfügt, muss jeweils ein eigenes Datenmodell erarbeitet werden, dass an diese Gegebenheiten angepasst ist."

Neben der gesamten CAD-Problematik auf der einen Seite musste dementsprechend auf der anderen Seite ein Datenmodell erarbeitet werden, das die benötigten Strukturen innerhalb der Frankfurter Stadtwerke widerspiegelt.

AT+C liefert ein System, das einerseits bereits einige vordefinierte Strukturen enthält, sich andererseits aber jederzeit an unternehmensspezifische Anforderungen anpassen lässt. Nachdem durch eine Umfrage festgestellt worden war, welche Daten bei den Stadtwerken Frankfurt verwaltet werden müssen, konnte das Facility Management-Programm deshalb um entsprechende Felder und neue Verknüpfungen ergänzt werden. Da die FM-Einführung ohne Zeitdruck erfolgen konnte, war insgesamt genügend Zeit vorhanden, um Alternativen durchzuspielen und somit letztendlich eine optimale Lösung zu finden.

Mittlerweile ist ein Prototyp erarbeitet, der Ende März 1997 allen beteiligten Abteilungen vorgestellt wurde und nun Schritt für Schritt eingeführt werden soll. Er enthält alle Daten und Verknüpfungen, um beispielsweise Bestuhlungspläne für die Kantine am Rechner zu erstellen und Flächen, die für die Gebäudereinigung abzurechnen sind, exakt zu ermitteln. Darüber hinaus lassen sich nun Parkflächen im Computer erfassen, und auch Schließzylinder können fortan im FM-Modell verwaltet werden. Ob tatsächlich alle denkbaren künftig am Computer bearbeitet werden, ist allerdings noch nicht garantiert. Vielmehr wird sich im Laufe der Zeit zeigen, in welchen Gebieten der Nutzen den teilweise enormen Pflegeaufwand rechtfertigt.

Grundsätzlich werden die Informationen innerhalb des FM-Modells entsprechend den verschiedenen Liegenschaften der Stadtwerke nach Gebäuden gegliedert. Für jedes Gebäude steht ein Raumbuch zur Verfügung, das wiederum Informationen zu den einzelnen Räumen enthält. Da neben dem Facility Management-System auch das Kabelverwaltungsprogramm von AT+C im Einsatz ist, kann zudem eine direkte Verbindung von den einzelnen Rechnern zu den entsprechenden Liegenschaften, Gebäuden und schließlich zu den Räumen hergestellt werden, in denen die Geräte sich befinden.

Dazu wird es jedoch erforderlich, dass die Bestandspläne der EDV-Verkabelung in die FM-Pläne eingearbeitet werden. In einem weiteren Schritt ist dann noch das PC-Verwaltungsprogramm, in dem mittlerweile Endgeräte erfasst und serialisiert wurden, über eine eigens entwickelte Schnittstelle an das Kabelverwaltungsprogramm anzubinden. Mit dem realisierten Datenfluss stehen dann dem Team um Dieter Logisch alle wesentlichen Informationen zur Verfügung, die zur Dokumentation des Netzwerkes benötigt werden.

Darüber hinaus soll die FM- und Kabelmanagement-Lösung in Zukunft aber auch intern noch weiter ausgebaut werden. Dabei hat das EDV-Team eine ganz konkrete Vision: Werden die Informationen aus dem Facility- und Kabelmanagement-System noch mit dem ebenfalls eingeführten Netzwerkmanagementprogramm gekoppelt, so kann sofort dann, wenn eine Verbindung nicht mehr funktioniert, der entsprechende Plan mit all seinen Informationen angezeigt werden. Logisch erklärt das Ganze noch genauer: "Auf der einen Seite haben wir ein Netzwerkmanagementprogramm, das Störungen innerhalb unseres Netzwerkes sofort anzeigt. Auf der anderen Seite verfügen wir durch unsere Facility- und Kabelmanagement-Lösung über eine Verbindung von Endgeräten, etwa PCs, zum entsprechenden Raum. Eine direkte Verbindung zwischen diesen beiden Bereichen fehlt aber noch; wir können also nicht sofort sehen, wo im Gebäude tatsächlich eine Störung vorliegt. Können wir aber eine direkte Kopplung zwischen dem Facility- und Netzwerkmanagementprogramm aufbauen, so ist anhand der Fehlermeldung im Netzwerk sofort der Raum erkennbar, in dem das defekte Endgerät steht."

Ist auch diese Verknüpfung realisiert, dann können die Mitarbeiter der Stadtwerke Frankfurt nicht nur detaillierte Informationen zu den einzelnen Liegenschaften und allen relevanten Netzwerk-Komponenten einholen, sondern es bestünde außerdem eine echte Verbindung der Vernetzungslogik zu den einzelnen Räumen. Dann muss Dieter Logisch nur noch das Endgerät, das innerhalb des Netzwerkmanagementprogramms als defekt angezeigt wird, anklicken, und sofort wird der Plan des Raumes geöffnet, in dem sich dieser Rechner befindet. Ein Elektriker kann also zielgerichtet diesen Raum aufsuchen und den Fehler beheben, weil er weiß, welche Buchse defekt ist. Damit lässt sich in Zukunft ein erheblicher Teil der Kosten einsparen, die durch die Suche nach der Ursache eines Netzwerkfehlers entstehen. Das unübersichtliche Knäuel von Kabeln, vor dem die Techniker heute noch stehen, wäre dann also weitestgehend entwirrt.

Dieser Bericht ist erschienen in der Zeitschrift AEC-Report 2/97.

Zwischenzeitlich sind bei Mainova 25 Lizenzen des AT+C Facility-Managers/AT+C Verbindungs-Managers im Einsatz. Die Dokumentation umfasst zur Zeit 22 Liegenschaften, 72 Gebäude, 244.000 m² Fläche, 5.720 Räume, ca. 86.000 FM-Objekte, ca. 560 Datenschränke, ca. 28.000 Stamm- und Patchkabel, ca. 32.200 IT-Komponenten.

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